Archive | Juni, 2013

Böses Denglisch! Oder ist das nicht doch okay?

7 Jun

Ganz klar, wir downloaden Songs, wir googeln Promis, Diagnosen oder Flugverbindungen, wir Werber verwenden Eyecatcher und highlighten bestimmte Anzeigenelemente – wie auch immer: auf jeden Fall wird jetzt am sonnigen Wochenende gechillt. YES!

Und nun, an diesem herrlichen Frühlingsfreitag, lese ich in der Zeitung, das alles ist GANZ BÖSE. Denn die Wortwächter sind unterwegs und bestrafen alle, die öffentlich das englische Wort bevorzugen.

Hmmm… da geht die Blenski-Augenbraue nach oben. Klar ist das ein prima Thema, wenn das eigene Unternehmen „TRUST YOUR TEXT“ heißt und nicht „IHREN TEXTEN VERTRAUEN“. Da wäre ja auch die schöne Alliteration dahin (WIKIPEDIA erklärt: von lateinisch ad = „zu“ und littera = „Buchstabe“; eine literarische Stilfigur oder ein rhetorisches Schmuckelement, bei der die betonten Stammsilben benachbarter Wörter (oder Bestandteilen von Zusammensetzungen) den gleichen Anfangslaut (Anlaut) besitzen).

Natürlich haben wir Werber schon seit Jahrzehnten die Macke, alles zu verenglischen. Es kommt halt cooler daher. Und lässig zu sein ist im Marketing unbedingt angesagt. Nun fangen aber selbst Politiker an, unbeholfene Exkursionen ins Englische zu machen, wie der Verein Deutscher Sprache bemängelt. Beispiel von Frau Nahles – sagte sie doch: Give-aways statt Werbegeschenkchen oder Obama-Headquater statt … ja, statt was eigentlich?!

Nun denn, sicher ist es absolut wahr: das Englische in seiner vermeintlichen Coolness und Griffigkeit macht sprachlich anders Spaß als das Formularsprech-lastige Deutsche. Trotzdem sollte man aufpassen, wie man sich mündlich oder schriftlich in Deutschland äußert. Für eine Weile habe ich konsequent versucht, Anglizismen zu vermeiden: Überschriften statt Headlines gesagt, Höhepunkte oder Besonderheiten oder Glanzlichter statt Highlights geschrieben. Das geht. Das geht sogar gut.

Trotzdem sollte sich der Verein mal entspannen. Sie planen sogar der Duden-Redaktion ihren Preis „Sprachpanscher des Jahres“ zu geben. Die Duden-Redaktion wehrt sich meiner Meinung nach richtig und sagt: „Bei uns wird nicht Sprache gemacht. Bei uns wird objektiv der Sprachschatz der Gegenwart abgebildet.“ Genau!  Wenn wir so reden (und zu „uns“ gehören eben auch die Kids, die Teenager und die Twens!), dann muss das so in unserer aktuellen Wort-Bibel stehen dürfen.

Was das alles mit Werbetext zu tun hat? Ganz schön viel! Denn: Es ist in jedem Text unverzichtbar, die werbenden Kauf-mich-jetzt-Worte auf die Zielgruppe abzustimmen. Und während manche Zielgruppe „sich gepflegt erholt“, gibt es eben die andere Zielgruppe – und die „chillt“.

Also: Immer an die Leser denken. Und bei lässigen neuen Wortprojekten wahlweise an mich oder an TRUST YOUR TEXT: 0421-2008420!

Christiane Blenski